Mitte 1973 spitzte sich die Lage weiter zu. Das Land erlebte wieder eine Welle der Streiks und der Straßenkämpfe. Das Land lebte in Angst vor einem gewaltsamen Ausbruch der Auseinandersetzungen. Am 29 Juni 1973 kam es zum ersten offenen Putschversuch der Panzerdivision 2 (Tancazo [1]). Dieser Putschversuch konnte durch die der Regierung loyal gegenüberstehenden Truppen zerschlagen werden. Zusätzlich liefen die Unterstützer der Regierung massenhaft auf die Strasse, um ihre Regierung zu verteidigen.

Am 22.08.1973 beschloss der Kongress mit der Mehrheit der PN und der PDC eine Erklärung, die die Regierung Allendes für illegal erklärte und sie des Verfassungsbruchs für schuldig befand. Die Deklaration forderte von allen demokratischen Akteuren und im Besonderen vom Militär, weitere illegale Aktivitäten der Regierung zu sanktionieren und die Situation zu bereinigen. Diese Erklärung wurde vielfach über die Allende-kritischen Medien verbreitet und gilt als ein Auslöser und als eine Referenz für die Legitimierung des Putsches.

Der Oberkommandierende General Prats trat zurück. Sein Nachfolger, General Pinochet, gab sich als zunächst Konstitutionalist. Das Verhalten der Streitkräfte, denen er vorstand, entsprach aber nicht einer Unterstützung der Regierung. Anstatt den erneuten Transporterstreik zu beenden, führte die Militärs Razzien in den besetzten Fabriken durch.

Im September entschied Allende, ein Plebiszit über seinen weiteren Verbleib im Präsidentenamt durchzuführen. Dazu kam es nicht mehr. Am Morgen des 11. September 1973 wurde er darüber informiert, dass ein Staatsstreich bevorstand. Die Regierung entschloss sich, den Verlauf der Situation im Regierungspalast abzuwarten. Mehrere Einheiten der drei Militärgattungen und der Carabineros griffen in den wichtigen Städten Chiles an und zerstörten sukzessive die Infrastruktur der UP-Organisationen. Die Allende-Administration erhielt ein Ultimatum, sich bis 11 Uhr zu ergeben. Allende entschied, standzuhalten, und hielt drei legendäre Reden, bevor um 11 Uhr zwei Stukker Hawker der chilenischen Luftwaffe den Regierungspalast beschossen. Eine Stunde später war Allende tot und mit ihm endete das Projekt der UP. Es begann die Diktatur der Militärjunta unter Pinochet, die Repression gegen die UP – Anhänger und die ökonomische und politische Neugestaltung Chiles.

Der Putsch des 11. Septembers 1973 bedeutete für die UP-Anhänger das abrupte Ende all ihrer politischen und sozialen Ambitionen und den Beginn einer Repression, die schwere physische und psychische Wunden hinterließ. Die Gewalt des Militärs und der Verrat Pinochets wurden zu einer Erfahrung und Erinnerung, die die Anhänger der UP für die nächsten drei Jahrzehnte stark beeinflussten.

Für die Befürworter des Putsches und Gegner der Allende-Administration bedeutete der Putsch zunächst die Abschaffung einer ihnen verhassten Regierung und die oberflächliche Befriedung der politischen Auseinandersetzung. Die „Normalisierung“ der sozialen Verhältnisse wurde mit Freude und Erleichterung aufgenommen. Das ist der Grund, warum dieser Bevölkerungsteil, den Putsch befürwortete und die Militärregierung unterstützte.

Aus dieser Dichotomie an Zielen, Wünschen und Ansprüchen erklären sich die beiden tradierten kollektiven Erinnerungen, die bis heute ein gemeinsames kollektives Gedächtnis verhindern.

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1. Die mit einigen Panzern und Soldaten den Regierungssitz La Moneda angriff.

Die rechte Opposition versuchte Unterstützer für die gewaltsame Entfernung Allendes aus dem Präsidentenamt innerhalb des Militärs zu finden. Innerhalb der Streitkräfte wütete schon länger eine Auseinandersetzung zwischen den „Konstitutionalisten“ und den „Putschisten“. Wie oben schon erwähnt, vertraten die „Konstitutionalisten“ die Auffassung, dass das Militär der zivilen Regierung untergeordnet sei, während die „Putschisten“ auf dem Standpunkt standen, dass sie die letzte Bastion seien, um die Sicherheit und Integrität des Landes zu gewährleisten.
Im Laufe der Regierungszeit der UP nahmen die Aufrufe rechter Parteien an die Streitkräfte zu, in den Konflikt zu intervenieren und die Allende-Administration zu stürzen. Dies ging von Beleidigungen von Militärangehörigen bis hin zu offenen Aufrufen zu Putschen durch die Opposition. Gleichzeitig riefen linke Gruppen wie die PS und MIR dazu auf, den Befehl zu verweigern, wenn es darum ging, gegen die legal gewählte Regierung zu putschen.

Auf die breite Front der Opposition – innerhalb und außerhalb der Parlamente – reagierte die Regierung, in dem sie ihre politische Basis mobilisierte und auf die Strasse brachte. Die Unterstützer der UP sahen in dem heftigen Widerstand der Opposition einen direkten Angriff auf ihre Ziele und Hoffnungen und reagierten mit einer Radikalisierung ihrer Unterstützung. Auf der einen Seite versuchte die Regierung mit Unterstützung ihrer Basis die Angriffe und Taktiken der Opposition zu durchkreuzen (JAPs [1], Cordones Industriales [2]) und eine starke Unterstützung in Massendemonstrationen zu präsentieren, auf der anderen Seite, organisierte sich die Basis auch außerhalb der UP und gründete Arbeiter- und Nachbarschaftsräte, die über den legalen realpolitischen Rahmen hinaus versuchten, die sozialistische Transformation voranzutreiben.

Die Probleme und Gewalttaten führten dazu, dass sich das Regierungslager wie das Lager der Opposition in ihrer Auseinandersetzung immer weiter radikalisierten. Während die rechte und christdemokratische Opposition mit allen legalen und illegalen Mittel die Arbeit der UP-Regierung verhindern wollte, traten Teile der UP – Regierung und ihrer außerparlamentarischen Basis für eine direktere und schnellere Umsetzung einer sozialistischen Gesellschaft ein, was eine gewalttätigere Reaktion auf die politischen Gegner zur Folge hatte. So forderte die Organisation MIR [3]die Schaffung von Volksräten und Arbeiterräten, die die Macht übernehmen sollten. Die Allende-Regierung sah sich also mit der Situation konfrontiert, auf der einen Seite die Aktionen ihrer stark mobilisierten Basis, die über den legalen und den von Regierung kontrollierten Rahmen hinaustrieben, zwar im Allgemeinen gutzuheißen, aber um die Legalität zu wahren, dämpfen zu müssen, und auf der anderen Seite, mit den Angriffen der Opposition umzugehen, bei denen sie nicht die Mittel hatte, sie zu unterdrücken.

Ende 1972 rief die Opposition zusammen mit verschiedenen Arbeitgeberverbänden [4]zum landesweiten Streik auf. Die Strategie, dass Land unregierbar zu machen, führte dazu, dass Massendemonstrationen der Gegner der UP, landesweite Transporterstreiks und Anschläge von rechten Terrorgruppen an der Tagesordnung waren. In dieser Situation versuchte die Allende-Administration zunächst erfolgreich dem Chaos auf der Strasse dadurch Herr zu werden, dass sie hohe Militärs in die Regierung aufnahm [5].

Mit der Nähe der Parlamentswahlen 1973 änderte sich die Strategie der Opposition. Sie versuchten gemeinsam eine 2/3 Mehrheit zu erreichen, um den Präsidenten durch ein Misstrauensvotum abzusetzen. Aber das Regierungsbündnis errang 44 % und somit verfehlte die Opposition die absolute Mehrheit. Während die Regierung das Wahlergebnis als weiteren Beweis der landesweiten Unterstützung ihrer Politik wertete, sah die Opposition keine andere Möglichkeit als den Staatsstreich.

In dieser Situation versuchte die Allende-Administration eine gewaltsame und bürgerkriegsähnliche Konfrontation innerhalb der chilenischen Gesellschaft zu verhindern. Gegen den Widerstand auch im eigenen Regierungsbündnis versuchte Allende einen Konsens mit der PDC zu finden, was daran scheiterte, dass die PDC solcherlei Forderungen stellte, die in letzter Konsequenz nichts weiter gewesen wären, als die Zurücknahme der Maßnahmen der UP und die Aufweichung ihrer Ziele.

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1. Junta de Abastecimiento (Rat für Versorgung) – eine Organisation, die vom Wirtschaftsminister Millas eingeführt wurde, um gegen die Zurückhaltung von Waren durch den Einzelhandel und gegen die Spekulation vorzugehen. Sie bestanden aus Nachbarschaftsorganisationen, die versteckte Warenlager ausfindig machten und die Waren dann im Namen der Regierung verkauften.

2. Cordones Industriales (Industrielle Netzwerke) – eigenständige Netzwerke, die von den Industriearbeitern der verstaatlichen und enteigneten Unternehmen geschaffen und von der Regierung unterstützt wurden, um die Sozialisierung der Produktion voranzutreiben und die Mobilisation der Arbeiter zu gewährleisten.

3. Movimiento de la Izquierda Revolucionaria (MIR – Bewegung der revolutionären Linken)

4. Das chilenische Unternehmertum spielte in jedem Falle eine entscheidende Rolle bei der Destabilisierung und letztendlich Absetzung der Allende-Administration. Man kann sagen, dass es sich im Laufe dieses Prozesses von einer rein objektiven in eine kollektiv handelnde, soziale Klasse verwandelt hat: Korporative Interessen gemäß der Branchenzugehörigkeit oder Betriebsgröße begangen in dem Maße in den Hintergrund getreten, wie das Privateigentum an den Produktionsmitteln als Grundpfeiler der Wirtschaft als solches in Frage gestellt wurde.“ Koch, Max, Unternehmen Transformation…, S.68

Doch die verschiedenen Maßnahmen der Regierung blieben nicht ohne Reaktion durch die chilenische oppositionelle Rechte. Die vorangetriebene Verstaatlichung wurde von ihr heftig kritisiert. So dienten die Enteignungen von Industrieunternehmen dazu, einen wichtigen Teil der chilenischen Mittelschicht von der Unrechtmäßigkeit und Ungesetzlichkeit der Regierung zu überzeugen. Dabei kamen ihnen verschiedene wirtschaftliche Probleme Chiles ab Mitte 1971 zugute. Die steigende Inflation, die durch die hohe in Umlauf gebrachte Geldmenge wuchs, und die Entstehung eines schwarzen Marktes führten dazu, dass die Lohnerhöhung faktisch schrumpften und durch weitere Geldemissionen ausgeglichen werden müssten [1].
Auch das Ausland, allen voran die Vereinigten Staaten, boykottierten die Entwicklungen in Chile. Die Administration Nixon hatte klar die Maxime ausgegeben, dass sich im ‚Hinterhof’ der USA kein weiteres Cuba entwickeln dürfe. Die Maßnahmen reichten vom wirtschaftlichen Boykott über die Finanzierung der Opposition bis hin zur Indoktrinierung der Streitkräfte.
Ab Mitte 1971 mit der Ermordung des PDC – Abgeordneten Perez Zujovic durch eine vermeintliche linke Splittergruppe näherten sich rechte Opposition und PDC an. Beide Parteien kritisierten im Kongress die Regierung, weil dieser die Autorität fehle, das Land zu regieren, und sie mit ihren Maßnahmen die Unsicherheit im Land weiter schüre [2]. Diese propagandistische Bewertung der Politik der UP – Regierung wurde gleichzeitig von allen, der Regierung kritisch eingestellten Medien, u.a. El Mercurio, massiv verbreitet. Dabei verfolgte die Opposition zwei unterschiedliche Strategien. Zum Einen den Versuch, die Regierung dadurch zu stürzen, dass man das Land unregierbar machte, zum Anderen der Versuch, die absolute Mehrheit im Kongress zu erlangen, um den Präsidenten Allende und seine Regierung durch ein Misstrauensvotum abzuwählen.
Die Strategie eines Umsturzes beinhaltete die Verweigerung jeglicher politischer Zusammenarbeit mit der UP, die Ruinierung der Ökonomie, Gegenpropaganda über die Massenmedien Chiles, die mehrheitlich unter der Kontrolle einer konservativen und rechten Unternehmerschaft standen, die politische und juristische Anfechtung der Enteignungen, die Schaffung und Stärkung einer Anti-UP-Haltung innerhalb der Streitkräfte und die Stärkung des Widerstandes der chilenischen Mittelschicht gegenüber der UP-Regierung. Die Maßnahmen, die dafür in Gang gesetzt wurden, waren u.a. die absolute Blockade jeder Gesetzesinitiative der Regierung durch Kongress und Senat, eine Verknappung und Verteuerung der Versorgung an Lebensmitteln durch Zurückhaltung von Waren durch den Einzelhandel, massive Demonstrationen gegen die Regierung und Terroranschläge auf die Infrastruktur und auf Räume der linken Organisationen durch rechte Gruppen wie z.B. Patria y Libertad [3].

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1. Lundahl, Mats, El camino a la dictadura: Desarollo político y económico en Chile 1952-1973, in: Garcia, Rigoberto (Hrsg.), Economía y política durante el gobierno militar en Chile, 1973-1987, Fondo de cultura economica, México, 1989, S.43ff
2. GAUDICHAUD, Frank, Cronología de la Unidad Popular y del “poder popular”(1970-1973). URL: http://www.salvador-allende.cl/Cronologia/Cronologia2.pdf, gesehen 25.08.07
3. Koch, Max, Unternehmen Transformation – Sozialstruktur…, S.69

Zu den ersten Maßnahmen der UP – Regierung gehörte die Nationalisierung der Kupfermienen. Diese Maßnahme wurde von allen Parteien und von der Bevölkerung begrüßt und daher am 11. Juli. 1970 im Kongress einstimmig verabschiedet.
Da es keine Mehrheit für die Verstaatlichung der Banken im Kongress gab, kaufte die UP – Regierung massenhaft Aktienpakete und kontrollierte so ab Ende November 1971 den gesamten Banksektor. Bis Mitte 1972 enteignete sie alle haciendas, die über mehr als 80 Hektar verfügten. Die Maßnahmen der Agrarreform der Regierung wurden gleichzeitig begleitet von illegalen Landnahmen durch die verarmten Landarbeiter, denen die Reform nicht zügig genug vonstatten ging [1].
Der Versuch, den industriellen Sektor gleichsam in seiner Mehrheit unter staatliche Kontrolle zu kriegen, erwies sich als weitaus schwieriger. Die gesetzlichen Grundlagen waren mit der Opposition nicht zu realisieren. Deshalb wurde auf alte, nicht mehr angewendete, nichts desto trotz legale Gesetze zurückgegriffen, die eine staatliche Intervention in Unternehmen gestatteten, wenn die Produktion aufgrund von Arbeitskämpfen gefährdet war. Zudem kaufte die Regierung Unternehmen auf, die vor der Pleite standen. So gelang es bis kurz vor dem Putsch im September 1973 bis zu 507 [2]Firmen entweder durch Enteignung/Intervention oder Ankauf unter staatlicher Kontrolle zu bringen. Auch hier förderte die politische Aktion der UP-Regierung die Initiative der Arbeiterschaft, ihre Produktionsstätten selbstbestimmt verwalten zu wollen.
Weitere staatliche Maßnahmen bestanden darin, die Löhne zu erhöhen, die Staatsaufgaben zu erweitern und Preise für elementare Lebensmittel festzulegen. Die Effekte der Maßnahmen waren zu Anfangs positiv. Es gelang die Arbeitslosenzahlen merklich zu verringern und durch Lohnerhöhungen die Kaufkraft der Lohnabhängigen zu erweitern. Die nationale Produktion stieg an. Diese positiven Effekte führten zur Zunahme der Unterstützung für die Regierung, wie sich dies 1971 in den Kommunalwahlen zeigte [3].

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1. Koch, Max, Unternehmen Transformation – Sozialstruktur und gesellschaftlicher Wandel in Chile, Vervuert, Frankfurt am Main, 1998, S.794
2. ebd., S.795
3. Lundahl, Mats, El camino a la dictadura: Desarollo político y económico en Chile 1952-1973, in: Garcia, Rigoberto (Hrsg.), Economía y política durante el gobierno militar en Chile, 1973-1987, Fondo de cultura economica, México, 1989, S.42

Zwar setzte sich Salvador Allende, der Kandidat der UP, nur durch, weil die rechten Parteien und die PDC [1] sich nicht auf eine gemeinsame Kandidatur einigen konnten, doch bedeutete dieser Wahlsieg eine breite Unterstützung durch die unterprivilegierten Schichten und Teilen der Mittelschicht wie der Intellektuellen Chiles.
Somit gelang es 1970 die relative Mehrheit in den Präsidentschaftswahlen zu erreichen, doch mit nur 36,5 % war dies ein denkbar knappes Ergebnis. Zwar hatte die UP das Amt des Präsidenten und die damit verbundenen erheblichen Machtbefugnisse in Händen, aber die Opposition aus rechten Parteien PN [2]und Zentrumspartei PDC kontrollierten zusammen den Kongress und den Senat. Ohne eine Mehrheit in der Legislative konnte die UP verschiedene gesetzliche Initiativen, die notwendig waren, um ihr ambitioniertes Sozial- und Wirtschaftsprojekt oder gar die substantielle Umwandlung der Gesellschaft durchzuführen, nicht beschließen. Die UP war darauf angewiesen, die ihr positiv gestimmten Teile der PDC für sich zu gewinnen oder mit ihren politischen Maßnahmen große Teile der Mittelschicht von ihrem Projekt zu überzeugen.
Mit dem Wahlsieg der UP in den Präsidentschaftswahlen von 1970 sah sich die rechte Opposition gegen die Regierungsübernahme Allendes vor die Frage gestellt, ob sie die Regierung Allendes anerkennen oder sie mit allen Mitteln verhindern sollte. Sie entschied sich dafür, die Regierungsübernahme zu verhindern, indem sie Alessandri, den Zweitplazierten der Präsidentschaftswahl als Präsident vorschlug. Sie versuchte diese Strategie dadurch zu unterstützen, dass sie ein Klima der Angst und Unsicherheit propagierte. Wie weit diese Terror-Kampagne ging, lässt sich an dem tödlichen Attentat auf den Oberkommandierenden der Streitkräfte, General Schneider, durch eine rechte Terrorgruppe ersehen [3]. Mit ihm wurde ein Hauptvertreter der „Konstitutionalisten“ getötet, der sich deutlich für eine Unterordnung der Streitkräfte unter die formal gewählte Regierung ausgesprochen hatte.
Die Zentrumspartei PDC ließ sich auf diese Strategie der rechten Parteien nicht ein und stimmte traditionell für den Erstplazierten der Präsidentschaftswahl. Nicht aber ohne vorher der Allende-Regierung die Zusicherung abzupressen, dass diese sich an die verfassungsmäßige Ordnung hält [4].

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1. Partido Demócrata Cristiano (PDC – Christdemokratische Partei)
2. Partido Nacional (PN – Nationale Partei)
3. „Die Rechte hat ihrerseits mit diversen versteckten und offenen Obstruktions- und Terrormanövern versucht, die Präsidentschaft Allendes zu verhindern. Mit dem tödlichen Attentat auf den Oberkommandierenden der Armee, General Schneider, im Oktober 1970 sei hier nur der spektakulärste Fall genannt.“ Koch, Max, Unternehmen Transformation – Sozialstruktur und gesellschaftlicher Wandel in Chile, Vervuert, Frankfurt am Main, 1998, S.31
4. Unterzeichnung der verfassungsmäßigen Garantien

1969 gründete sich die Unidad Popular (UP) als ein Wahlbündnis linker Parteien (PC, PS, PR, MAPU und PIR [1] ). Das Programm dieses Wahlbündnis beinhaltete eine Situationsanalyse Chiles und benannte klar die Maßnahmen, die das Wahlbündnis zu verwirklichen suchte. Die UP kritisierte an der Lage Chiles, dass es ein vom Imperialismus abhängiges Land sei, das von einem Sektor der Bourgeoisie beherrscht werde, der eng mit dem ausländischen Kapital verbunden, und der deshalb nicht in der Lage sei, die dringendsten Probleme des Landes zu lösen [2].
Die UP kritisierte die hochgradige Konzentration der Wirtschaft. So verfügten 3% der Firmen über 60% des chilenischen Innlandskapitals [3]. Die UP bestimmte den Großgrundbesitz zur Hauptursache der Misere der Landbevölkerung und der Probleme in der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln [4].
Die Effekte dieser abhängigen Wirtschaftsweise, wie die Inflation [5]und wirtschaftliche Stagnation, wurden von den UP-Theoretikern als innerkapitalistische Probleme gedeutet, die durch eine radikale Neuausrichtung der nationalen Wirtschaft überwunden werden könnten. Daher sah die UP ihre Hauptaufgabe in der Aufhebung der Abhängigkeiten Chiles gegenüber dem Weltmarkt und der Herrschaft der Oligarchie im Inland. Schlussendlich sollte eine Lösung der Probleme Chiles nur durch die Entwicklung hin zu einer sozialistischen Gesellschaft möglich sein.
Um dieses Ziel zu erreichen, rief die UP die benachteiligten Teile der Bevölkerung (Arbeiter, Landbevölkerung, pobladores [6]) dazu auf, am Projekt eines neuen Chiles mitzuarbeiten. Dabei sollte es zum Einen darum gehen, die demokratischen Errungenschaften aus den politischen Kämpfen der unterprivilegierten Schichten zu sichern und weiter auszubauen [7], zum Anderen um die endgültige Erringung der politischen Macht für diese Schichten, was zugleich die Ablösung der alten Machteliten bedeuten sollte [8].
Für die Realisierung ihrer Ziele sah die UP die Verstaatlichung wichtiger Sektoren der chilenischen Wirtschaft vor. Die Neuorganisation der Wirtschaft sollte in einer Aufteilung der Wirtschaft in einen privaten, staatlichen Sektor und einen Mix aus beiden bestehen. Mit der staatlichen Kontrolle des industriellen Sektors wollte die UP gewährleisten, dass sich die chilenische Inlandsproduktion auf die Befriedigung der elementaren Bedürfnisse der chilenischen Bevölkerung konzentrierte.
Auch war die Kontrolle des Bankensektors vorgesehen, um die ambitionierte Wirtschafts- und Sozialpolitik finanziell abzusichern. Die Vorherrschaft des Großgrundbesitzes sollte durch eine Weiterführung und Ausweitung der Landreform gebrochen und die dadurch frei gemachten Anbauflächen für die Steigerung der Inlandsversorgung mit Lebensmitteln verwand werden. Die Arbeitsmarktpolitik der UP sah vor, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, und die Lohnpolitik sollte hohe Löhne garantieren, um die Zahlungsfähigkeit gerade der ärmsten Lohnabhängigengruppen zu erhöhen.
Das Programm der UP war ein Konsenspapier, auf das sich die linken Bündnispartner der UP einigen konnten. Dieses Bündnis war keineswegs homogen, sondern beinhaltete unterschiedlich radikale linke Gruppen, die verschiedene Ansichten darüber hatten, wie die Transformation der kapitalistischen chilenischen Gesellschaft in eine sozialistische vollführt werden sollte. Die Parteien der UP sahen sich dabei als politische Vertreter eines Klassenkampfes, den sie innerhalb der demokratischen Institutionen, die den konservativen Machteliten dienten, ausfechten wollten [9].

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1. Partido Comunista (PC – Kommunistische Partei), Partido Socialista (PS – Sozialistische Partei), Partido Radical (PR – Radikale Partei), Movimiento de Acción Popular Unitaria (MAPU – Bewegung der vereinigten Volksaktion) und Partido de Izquierda Radical (PIR – Radikale Linke Partei)
2. Programm der Unidad Popular, zitiert aus: La via chilena al socialismo, siglo veintiuno sa, mexico, 1973, S.269
3. Max Koch, Unternehmen Transformation. Sozialstruktur und gesellschaftlicher Wandel in Chile, Frankfurt am Main, 1998, S.792
4. Programm der Unidad Popular, zitiert aus: La via chilena…, S.273
5. ebd. S.273
6. Bewohner der Elendsviertel
7. Programm der Unidad Popular, zitiert aus: La via chilena…, S.275
8. „…, sino llevar a cabo los cambios de fondo que la situación de nacional exige sobre la base del traspaso del poder, de los antiguos grupos dominantes a los trabajadores, al campesinado y sectores progresistas de las capas medias de la ciudad y el campo.“ („…, um fundamentale Veränderungen durchzuführen, die die nationale Situation verlangt, auf der Basis der Übergabe der Macht, von den alten dominanten Gruppen zu den Arbeitern, der Landbevölkerung und den progressiven Sektoren der Mittelschichten in der Stadt und auf dem Lande.“ Übersetzung) Programm der Unidad Popular, La via chilena…,S.275
9. Programm der Unidad Popular, zitiert aus: La via chilena…, S.275